Archive for the 'Tagungen' Category

Nationaler Bildungsbericht

 

Am 27. Juni 2016 wurde in der Diplomatischen Akademie in Wien der nunmehr dritte Nationale Bildungsbericht 2015 präsentiert. Es wurden drei wesentliche Bereiche behandelt: a) Schulqualität und Ergebnisse des Lernens (Situation der Volksschule, Leistungsbeurteilung, digitale Kompetenz), b) Funktionsmängel im Schulsystem (Ungleichverteilung der SchülerInnen und daraus resultierende Probleme, sowie vorzeitiger Schulabbruch) und  c) Schulverwaltung  (Schulleitung, Schulautonomie, Schulfinanzierung).

In der anschließenden Diskussion wurde angemerkt, dass das eigentliche Hauptthema, nämlich die Frage der Unterrichtsqualität nicht behandelt worden war. Als Grund dafür nannte man die Schwierigkeit der Erfassung der Unterrichtsführung der LehrerInnen. Interessant fand ich auch die Diskussion über die Schulleitung, die eigentlich eine bessere Ausbildung erhalten müsste, da sie sich in einer schwierigen Sandwichposition befindet. Auch der Schulleiter als eigener Beruf wurde angedacht, bzw die Zuständigkeit für mehrere Schulen. Ebenso sei die Definition der Schulautonomie eher vage und es gebe keine klaren Vorteile für eine bessere Leistung. Auch Autonomie bräuchte eine Begleitung. Zum Schluss versuchte man Klarheit in die Finanzierungsfrage zu bringen, was aber in Anbetracht der mangelnden Transparenz der Ressourcennutzung nicht möglich ist.

Eine Professionalisierung scheint auf allen Ebenen zu fehlen, sowohl an den Universitäten, sowie auch in der LehrerInnenausbildung (Fachdidaktik). Eine Optimierung müsste auf Fragestellungen von LehrerInnen aufbauen! In Forschungsprojekten wurde auch der Zusammenhang zwischen den Kompetenzen der Lehrenden und der Schülerleistung erhoben. Dabei waren sowohl die fachliche Kompetenz der Lehrkraft, als auch deren Persönlichkeit wichtig für die Leistung der SchülerInnen.

Eine Kernbotschaft war auch die verstärkte individuelle Förderung der SchülerInnen (auch durch Einsatz von Medien). Selektion von schwachen und guten SchülerInnen ist jedenfalls absolut out, obgleich noch nicht ganz aus den Köpfen der Lehrenden verbannt.

Der Nationale Bildungsbericht ist eine Zusammenfassung dessen, was man über die Bildung in Österreich weiß. Sein Sinn ist es, immer mehr Menschen dazu zu bringen, über einen Wandel in der Schule nachzudenken. Die Einführung einer „Bildungspflicht“ ist angedacht.

 

Deutschunterricht weltweit – DafWebKon2013

DafWebKon07_webDie Entwicklung der technischen Hilfsmittel für den Unterricht ist in den letzten zwanzig Jahren, und ganz besonders in den letzten fünf Jahren, RASANT fortgeschritten. Ebenso die Möglichkeiten der LehrerInnenfortbildung. Asynchrone Onlinefortbildungen via Moodle entwickelten sich weiter zu synchronen eLectures und Onlinekonferenzen wie z.B. die zweitägige DafWebKon, bis hin zu einer Mischform,  den dezentralen, selbstgesteuerten Moocs.

Die diesjährige DafWebKon wird längst nicht mehr nur von von DAF-LehrerInnen verfolgt. Es gibt Vorträge, die für den Sprachunterricht interessant sind, manche vorgestellten Tools können aber auch für andere Fächer genutzt werden. Dennoch liegt der Fokus dieser Onlinekonferenz natürlich auf der Verbreitung des Deutschunterrichts, stammen doch die TeilnehmerInnen aus vielen Ländern und Kontinenten, wo Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird.

Eine tolle Community, tolle Arbeit, mehr als kompetente Lehrerinnen – nur – die Realität an unseren Schulen sieht anders aus. Die Mehrheit meiner KollegInnen kann das alles nicht und hat auch keine Ahnung davon! 😦

„Technologie ersetzt keine Lehrer, aber die Lehrer, die technisch fit sind, werden diejenigen ersetzen, die davon keine Ahnung haben” – Ray Clifford

Diese geballte Ladung an technischen Hilfsmitteln, die bei der DafWebKon vorgestellt wurden, macht einen zunächst ganz schwindlig, bis es einem bewusst wird, dass man sowieso nur zwei, drei Tools für sich auswählen sollte, um den Sprachunterricht etwas abwechslungsreicher zu gestalten. That’s it! Und bei jedem dieser Tools sollte man sich zunächst den didaktischen Mehrwert überlegen und ob es gegenüber traditionelleren Methoden auch wirklich den erwünschten Lernzuwachs bringt. Außerdem bin mir sicher, dass so manche „mächtige“ Werkzeuge wie etwa Moodle auch nach dieser Konferenz nicht genutzt werden, weil die nötigen Fortbildungen und die technischen Vorraussetzungen an Schulen einfach nicht ausreichend vorhanden sind. Trotzdem: Eine total interessante Veranstaltung, organisiert von drei bewundernswerten Powerfrauen! 🙂  http://dafwebkon.mixxt.com/

Das Internet ist eine Schule

eBazar2013Das Internet wird mehr und mehr zu einer individuellen „Schule“.  Jede/r kann sich zum Thema seines Inter- esses im Internet Informati- onen holen und seine eige- nen Lernziele verfolgen. Das informelle Lernen verdrängt sozusagen das formelle Lernen der traditionellen Schule, wo alles vorgegeben und reglementiert ist. Das Lernen im Internet geschieht spontan, je nach Bedarf und ist freiwillig und intrinsisch motiviert.
„Will ich ein Foto bearbeiten, so sehe ich mir ein passendes Tutorial an und lerne genau jene Funktion des Bildbearbeitungsprogrammes, das ich gerade brauche“ sagte mir kürzlich ein Busfahrer! Will ich mich in einer Fremdsprache verbessern, habe ich im Netz unendliche Möglichkeiten und Ressourcen. Will ich Stricken lernen, finde ich die nötigen Tutorials auf Youtube. ich muss es nur suchen. Und so wird dieser Ort Internet zunehmend auch zu einem „Ort der Bildung“ und zwar für Jede und Jeden. Und diese Wissensinhalte  hole ich mir, wann immer ich will und nicht, wie in der Schule, zu bestimmten Zeiten.
Ein interessanter Aspekt des Lernens mit dem Internet ist, dass die „Lehrer/innen“ wir alle sind, denn wir geben unser Wissen in Form von selbsterstellten Tutorials, Forenbeiträgen, Wikipediabeiträgen oder Postings in Blogs usw., also unser Wissen an jede/n der/die es wissen will, weiter. In zunehmendem Maße werden aber auch Vorlesungen von Universitäten aufgezeichnet und als Podcasts zur Verfügung gestellt. (Siehe dazu auch die Khanakademie.)
Und mehr noch, wir schaffen uns ein Netzwerk von Gleichgesinnten, und geben und nehmen Wissen zu einem von uns gewählten Thema, wie z.B. in Twitter, Facebook oder Youtube. Vorausgesetzt, wir verwenden die sozialen Netzwerke als Wissensnetzwerk.
Ein Trend des dezentralen, selbstgesteuerten Lernens sind die sogenannten Mooc’s (Massive Open Online Courses). In einem Zeitraum von ein paar Wochen wird zu einem Thema im Netz intensivst, aber mit selbstgesteckten Zielen „gelernt“, d.h. es gibt zwar ein Programm mit vorgegebenen Themen und online-Vorträgen, aber jede/r steuert auch sein Wissen in Form von Blogs usw. bei. Man bestimmt so selbst, was man gibt und was man nimmt. An Moocs nehmen sehr viele TN gleichzeitig teil.  Spannende Entwicklungen des Lernens! 🙂
Randnotizen zur Keynote über Social Media:
  • Social Media können als Wissensmangement eingesetzt werden.
  • Sie haben aber auch eine enorme Breitenwirkung (Beispiel YouTube Video wird millionenfach aufgerufen).
  • Man ist selbstorganisiert, nutzt es wann immer man will und muss es aber nicht nutzten.
  • Inhalte kommen auch von den Lernenden. Ziele sind selbst gesteckt. Eigeninitiative wird gefördert.
  • „Wenn man einen Abschluss hat, heißt es noch nicht, dass man etwas gelernt hat.“
  • Social Media braucht die Schule nicht mehr als Lernort. Informelles Lernen geschieht z.B. auf YouTube.
  • Schule sollte die Vorteile von Social Media nutzen, Angebote machen und individuelle Wege zulassen. Privates und schulisches Lernen koppeln. 2Ihr könnt selbst entscheiden, wie ihr diese Inhalte lernt“.
  • Lernnetzwerke aufbauen: Leuten auf Twitter oder facebook folgen und weitere hinzufügen. So komme ich an Informationen und gebe auch Informationen weiter. Ich kann Fragen stellen und auf Fragen antworten. Zusammenarbeiten und teilen. Für alle Lehrenden sollte so ein Netzwerk selbstverständlich sein, da man gerade als Lehrende/r auch ständig dazulernen sollte!
  • Wichtiger Kompetenzerwerb durch Nutzung von Social Media: Ich muss den relevanten Inhalten mehr Aufmerksamkeit schenken und weniger relevante nur überfliegen. Das müssen auch die Jungen erst lernen. Unwichtiges von Wichigem filtern. Schreiben Sie einen Zettel „Was will ich jetzt gerade tun“ und schauen sie ab und zu darauf. Lassen sie sich nicht ablenken, von dem, was Sie tun wollen.
  • Twitter parallel zum Unterricht nutzen, weniger extrovertierte Schülerinnen partizipieren so eher aktiv am Unterricht. Nicht jede Stunde, aber ab und zu.
  • Technik sollte aber nie die Überhand gewinnen. Man sollte diese neuen Techniken behutsam ausprobieren und dosiert in den Unterricht einbauen. Ein guter Weg, etwas am bestehenden System zu verändern ist, einfach mal etwas Neues zu TUN !
  • „Wir bieten das an, versuch es doch mal! „
  • Man könnte auch, um seinen Lernfortschritt zu dokumentieren, eine Blog führen: „Wie  ich Englisch lerne. „

Microsoft Innovation Konferenz

Am 27. -28. November 2012 fand im Marriot Hotel Wien die Microsoft Innovation&Education Konferenz statt.

Die Begrüßung machten Yuri Goldfuß und Stefan Sjörström von Microsoft und das BMUKK war mit Heidrun Srohmayr und Christian Schrack vertreten, der über die eEducation-Initiativen in Österreich berichtete.

Interessant war der Vortrag von Kurt Siegl von Magna International, der nicht nur die Abläufe des Konzerns darstellte, sondern auch launig die benötigten Skills der zukünftigen Mitarbeiter von Magna darlegte: Wichtig sind vor allem technische Skills, die Beherrschung von Englisch, Problemlösungskompetenz, sowie Spaß an der Technik (denn diese verändert sich rasant). Mobile Devices werden im Betrieb immer mehr eingesetzt um Anweisungen zu geben. Er appellierte auch an die Schulen, modernere Technik zur Verfügung zu stellen. Weiters nannte er Globalisierung und Geschwindigkeit als Schlüsselwörter für die Trends in der Industrie.

Besonders faszinierend war der Vortrag des 28 jährigen Muhamed Mesic, der 70 Sprachen spricht, und der sehr berührend seine Geschichte und wie er zu Microsoft kam, erzählte. 1992 überlebte er den Krieg im ehemaligen Jugoslawien „durch Verschlafen“, denn seine Schule wurde zerstört. 1996 kam er in der Schule zum ersten Mal mit einem Computer in Berührung und mit der Microsoft Encarta, die für ihn auch den Impuls zum Sprachenlernen darstellte. „Wenn Strom ist, verwenden wir den Rechner“ meinte sein Lehrer, der Mangels Lehrern so gut wie alles unterrichten musste. Mesic meinte, dass sich durch die IT Technologien die Kapazität Wissen aufzunehmen, verdoppelt. Auf YouTube finde man genügend tolle Ressourcen um diverse Dinge selbst zu lernen, wie z.B. auch Sprachen. Die Schule biete zu wenig Raum für Individualität und jeder müsse wissen, was ihn interessiere/begeistere. Auch die Rolle des Lehrenden sieht er als Motivator und Wecker der Begeisterung. Man solle sich auch niemals fragen „Warum soll ich das lernen“ sondern „Warum nicht“? Und…man soll beim Lernen Fehler machen dürfen!

Andreas Tachas, versucht mit seinem Unternehmen Starteurope , junge innovative Kräfte (nicht nur aus Österreich) zur Zusammenarbeit zu bringen, um gemeinsam Geschäftsideen zu verwirklichen.

Harald Leitenmüller von Microsoft referierte über “Becoming Carbon Neutral” darüber, was der Weltkonzern Microsoft macht, um energie- und ressourcenschonend in die Zukunft zu gehen.

Sehr unterhaltsam war auch der Vortrag von Mark Kreuzer über das “Papierlose Klassenzimmer”, der drei Monate lang versuchte, ohne Papier auszukommen, und seine gesamte Studienzeit mit OneNote arbeitete. Dokumentiert wird sein Projekt im Blog Microle.

Ein weiteres papierloses Projekt stellte Kurt Söser von der HAK Steyr vor, ein Mathematiklehrer, der versucht, seinen gesamten Unterricht über OneNote abzuwickeln. Zugegeben, dieses Tool spielt alle Stückln und ersetzt wahrscheinlich zum Großteil eine Lernplattform, aber mir wäre das zuviel „Microsoft“.

Roman Schacherl stellte eine Software „Elternsprechtag“ vor, die sicherlich recht praktisch zum Organisieren des Elternsprechtages ist, aber von den Schulen gekauft werden muss.

Rolf Mistelbacher sprach über Social Media im Unterricht, was ich nicht so aufregend fand, da ich die meisten Tools, die er vorstellte natürlich von dieser Firma kamen.  Yammer (ein privates, innerbetriebliches Netzwerksystem), Docs.com (man kann über fb einsteigen, Teambox (zur Organisation von Teamarbeiten, wäre zum Ausprobieren), sowie WordPress.

Zum Schluss wurden noch ein paar Produkte vorgestellt wie z.B Autocollage, mit dem sich nette Fotomontagen herstellen lassen.

Alles in allem eine nette Veranstaltung, ein gutes Gegengewicht zur Apple Leadership Tour. 😉

eLearning-Didaktik Fachtagung 2012

Wie unterschiedlich ein sogenannter „Frontalunterricht“ sein kann, konnte man an der Keynote und am Schlussvortrag der diesjährigen eLearning-Didaktik Fachtagung erleben.

a) Die Keynote über „Kompetenzorientiertes Unterrichten“ war ein sehr anstrengender und theoretisch ausgerichteter Vortrag einer Grazer Universitätsprofessorin.

Der Inhalt: Merkmale kompetenzorientierten Unterrichts: 1. Aktivierender Lernprozess, der Vorwissen voraussetzt. 2. Fördert Vernetzung von Wissen. 3. Individuelle Unterschiede sollten berücksichtigt werden. 4.Betont das Anwenden und Üben in unbekannten Situationen. Transfer. 5.Co-Konstruktion von Wissen, Methoden des kooperativen Lernens. 6.Wissen über den eigenen Lernprozess. Literatur: Handbuch Kompetenzorientierter Unterricht, Beltz

b) Der Schlussvortrag am Ende des zweiten Tagungstages über „Das Potential des Computers für die Bildung des Menschen“ war jedoch alles andere als trocken und bekam von den schon etwas müden TeilnehmerInnen dennoch die volle Aufmerksamkeit. Bemerkenswert war, dass der Redner ohne Powerpointfolien und ohne sich hinter dem Rednerpult zu verschanzen eine mitreißende und humorvolle Rede auf höchstem Niveau hielt. (Unter Frontalunterricht verstand er übrigens keine Einbahnstraße, sondern vielmehr einen „Dialog“ zw. SchülerInnen und Vortragenden.)

Einige interessante Gedanken aus dem Vortrag:

  • Warum sollte man eigentlich PCs im Unterricht verwenden. Sie steigern die Effizienz des Lernprozessen NICHT!  Die oft angeführten Gründe für eLearning seien nicht überzeugend. Außerdem stelle man Computer in die Klassenräume und niemand sage den Lehrenden, wie sie damit unterrichten sollen.
  • Es gibt einen gesellschaftlicher Wandel von Wissensbeschaffung. Jugendliche sehen im Internet nach, nicht in den Bibliotheken, wenn sie etwas wissen wollen. Der Ort, an dem Wissen erwartet wird, hat sich verändert. Dem können sich Schulen und Universitäten nicht mehr entziehen. Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind. Und, Bildung reagiert auf die Bildungsvorstellung seiner Zeit. Weiterlesen ‚eLearning-Didaktik Fachtagung 2012‘

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