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Das Gesichterbuch – fünf Jahre danach

„Souriez Monsieur le directer, c’est pour facebook! Selfies in der Führungsebene einer Schule?  „Lächeln Sie, Herr Direktor, das Bild ist für Facebook.“ Ja ja, das Facebook-Virus macht auch vor Lehrenden und DirektorInnen nicht Halt! 😉 Obwohl, so ganz wohl scheint es dem Herrn Direktor auf der Karikatur ja nicht zu sein.

facebook3Vor fünf Jahren, 2009, bin ich dem Gesichterbuch beigetreten. Jetzt feiert es seinen zehnten Geburtstag. Was hat es gebracht? Man hat durch diese Plattform nicht mehr oder weniger FreundInnen im offline Leben, es ist ein Adressbuch geblieben, in dem man ein paar Leute „sammelte“ und die immer noch dort sind. Ein paar wenige „Freunde“ sind wieder verloren gegangen, andere sind kaum mehr aktiv. Was dazugekommen ist, sind öffentliche Seiten wie Zeitungen oder Verlage. Facebook hat sich zu einer Mischung aus  Feedreader und Selbstdarstellerplattform entwickelt.

Was den Spaß am Netzwerken etwas minderte, ist das Bewusstsein, dass alle Daten, und seien sie noch so unbedeutend, zunächst einmal gesammelt und dann wahrscheinlich weiterverkauft, um irgendwann weiterverarbeitet zu werden. BigData hat die Aktivitäten am PC verändert. Viele Menschen sind  vorsichtiger geworden. Es stellt sich auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Sozialen Netzwerken, in welchen allzu viele private Details kundgetan werden. Ein paar „Selfie“ Anhänger wird es aber immer geben.

Die verkehrte Konferenz

Am 4. und 5. Mai 2012 veranstaltete die Akademie der Wissenschaften unter dem Titel „Kinder und digitale Medien“ eine zwei- tägige Konferenz für alle an diesem Thema interessier- ten Eltern und Pädago- gInnen. Am ersten Tag wurden die Jugendlichen von Erwachsenen zum Thema Medienkompetenz geschult und am zweiten Tag, an dem ich teilnahm, übernahmen die Jugendlichen das Ruder (daher der Name „Verkehrte Konferenz“).

Die Gestaltung des zweiten Konferenztages durch SchülerInnen empfand ich als äußerst erfrischend. Zwei Schüler führten souverän in Doppelmoderation durch den Vormittag. Sie interviewten mehrere ExpertInnen auf der Bühne,  ein Digikids-Kurzfilm wurde präsentiert und SchülerInnen erzählten aus ihrem digitalen Alltag: „In der Früh lasse ich mich von meinem Handy wecken, dann schaue ich auf dem Handy nach, was es in der Schule für Stundenplanänderungen gibt. Meist bin ich zu faul, um den Laptop einzuschalten. In der Schule verwende ich das Handy um auf die Uhr zu schauen oder mir sonstige Informationen wie Wetter oder Sportinformationen aus dem Internet zu holen. Auch Vokabel schaue ich auf dem Handy nach. Ich höre Musik, oder spiele Spiele. Aber auch wenn ich ein Muttertagsgedicht für meine Mutter brauche, suche ich dieses auf meinem Smartphone. Das alles funktioniert aber nur, solange der Akku voll ist.“ 🙂

Anschließend konnte sich die eine Hälfte der KonferenzteilnehmerInnen an runden Tischen zu den Themen Handy, Facebook und Computerspiele von den Jugendlichen informieren lassen, während es für die andere Hälfte zwei sehr interessante Referate gab: Von  Saferinternet.at „Tipps zum sicheren Umgang mit Internet“  und vom Austrian Institut of  Technologie AIT über „Cybercrime und Cyberwar“. Danach wurden die Gruppen gewechselt. An den Thementischen hatte ich den Eindruck, dass Jugendliche einen sehr individuellen Zugang zu Handy&Co haben. Während die einen bis zu zehn Stunden pro Tag Computerspiele spielen, ist für Andere der Computer auch zeitweise durchaus entbehrlich.

Mein Fazit der Konferenz: Handys sind ein selbstverständliches, alltägliches und nützliches Werkzeug für die Jugendlichen. Allerdings sind sie meist über mögliche Gefahren recht wenig informiert, bzw. nehmen sie diese in Kauf. Der soziale Druck ist dabei nicht unwesentlich, „wenn es alle tun, wird es schon nicht so gefährlich sein“. Die Schule wäre daher dringend aufgefordert, in Sachen Medienkompetenz nachzurüsten. Im Moment wird in dieser Hinsicht noch sehr wenig,  ja eigentlich gar nichts getan! Lehrende sind noch zu sehr damit beschäftigt, sich selbst  Kompetenzen bezüglich digitaler Medien anzueignen.

Forderungen der Jugend- lichen an die Schule: Keine Angst vor digitalen Medien zu haben, sondern diese in den Unterricht einzubezie- hen. „Die Fragen der Kon- ferenzteilnehmerInnen an die Jugendlichen bezogen sich vor allem auf Sucht-verhalten und Sicherheits- einstellungen bei Face- book“, stellten die SchülerInnen am Ende der Konferenz fest.

Der Vertreter des Austrian Institut of Technology AIT  stellte in seinem Referat fest, dass digitale Medien kein Trend, sondern fixer Bestandteil des Alltags der Jugendlichen sind. Nicht Informationsgesellschaft sondern Vernetzung sei die große Neuerung unseres Jahrhunderts, und diese bringe ungeahnte Möglichkeiten an Wissen, aber leider auch Gefahren mit sich. Die große Herausforderung der Zukunft wird es sein, zu gewährleisten, dass diese neuen Medien zu positiven Werkzeugen werden!

Moodle oder Facebook?

Zugegeben, Facebook ist in aller Munde und gehört für viele SchülerInnen zum Alltag. Die Frage ist aber, ob auch Lehrende dieses „Soziale Netzwerk“ im Unterricht einsetzen sollten? Es gibt LehrerInnen, die eine (geschlossene) Gruppe für ihre SchülerInnen einrichten, um ihnen dort etwaige Informationen zukommen zu lassen oder um mit ihnen außerhalb des Unterrichts kommunizieren zu können.  Aber ist es auch sinnvoll? Welchen Mehrwert bringt es für den Unterricht?

Ich persönlich möchte Facebook NICHT als Kommunikationskanal in der Schule einzusetzen, sonderm möchte mich ganz bewusst dem „sozialen Druck“ entziehen. Man kann seinen SchülerInnen auch zeigen, dass es eine Welt außerhalb von Google, Facebook & Co gibt und dass es durchaus auch wichtig ist, sich nicht immer nach dem Mainstream zu richten, sondern selbst zu entscheiden, welchem Konzern man seine Daten anvertraut. Die Alternative ist eine Lern- und Kommunikationsplattform, die auf einem Server liegt, der kontrollierbar ist, das heißt, man kann seine Daten auch löschen lassen, bzw. selbst löschen! Das ist mir besonders wichtig! Facebook ist zu unsicher, was den Datenschutz betrifft. Wir arbeiten mit sehr jungen Menschen und wissen nicht, was mit unseren Daten auf Facebook in der Zukunft geschehen wird.

Meine virtuelle Lernumgebung heißt daher Moodle. Ich lernte diese Plattform schon vor einigen Jahren kennen und schätzen, als von Facebook noch lange keine Rede war. Ich lernte Schritt für Schritt, wie man mit Moodle effektiv arbeitet und entdeckte, welch ungeheures Potenzial in dieser  Lernplattform schlummert. Ich verwendete Moodle nie als Linkschleuder, sondern versuchte immer, sinnvolle didaktische Szenarien zu entwickeln, die die analogen, traditionellen Unterrichtsmethoden im Sinne von „Blended learning“ Szenarien spannend ergänzten. Schüleraktivierung, Kommunikation und Kollaboration standen dabei immer im Mittelpunkt. Die Möglichkeit der interaktiven Gestaltung meines Unterrichts mit Hilfe von Moodle gefiel mir besonders gut: Ich kann authentischen Content mittels Audiodateien, Videos oder Links zu Originalseiten zur Verfügung stellen und sofort Arbeitsaufträge dazu erteilen. Ich kann individuell und individualisiert auf die Lerngruppe und das jeweilige Unterrichtsthema zugeschnittene Unterrichtssequenzen auf der Lernplattform vorbereiten und bei Bedarf umgestalten. Zur Auflockerung und mit entsprechend passender Aufgabenstellung kann ich auch Web 2.0 Tools meiner Wahl einbetten. Einen besonderen Mehrwert bietet aber die Möglichkeit, Arbeitsergebnisse der SchülerInnen für die Peergroup auf der Lernplattform sichtbar zu machen und SchülerInnen zu einer konstruktiven Feedbackkultur anzuleiten. Moodle ist ein offenes System innerhalb des von mir definierten Lernkreises, also innerhalb der Klasse, aber eben geschlossen nach außen. Und das halte ich im Sinne einer vernünftigen Medienerziehung in der Schule durchaus für sinnvoll!

Facebook als Schulfach?

Oder:Wer lehrt unsere Kinder den Umgang mit Handy, Internet und Social Media?“ Unter diesem etwas provokativen Titel veranstaltete das Radiokulturhaus Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema Social Media, bei dem auch die Kinderstudie 2010 von A1 vorgestellt wurde. Laut dieser Studie besitzen bereits 63% der Jugendlichen zwischen 6 und 14  Jahren einen eigenen Laptop. Nur 1% hat überhaupt keinen Zugang zum Internet.

Ein Unternehmenssprecher der Telekom Austria, sowie zwei ExpertInnen aus den Bereichen Medien- und Erziehungswissenschaften der Universität Salzburg und Hamburg, versuchten der Frage nachzugehen, wie verantwortungsvoll unsere Kinder mit Social Media umgehen und von wem sie diesen Umgang lernen könnten. Welche Rolle können Eltern und Schule in diesem Zusammenhang überhaupt spielen? Verfügen Lehrende und Eltern über genügend Medienkompetenz  um die Kinder und Jugendlichen ausreichend über die Gefahren und Risiken im Netz zu informieren?

Unter anderem wurde der bestehende digital gap angesprochen.  Einerseits gibt es Jugendliche, die über erstaunlich gute IT-Kenntnisse verfügen, andererseits gibt es aber immer noch MaturantInnen, die sich mit Neuen Medien noch nie beschäftigt haben. Auch viele Eltern bewegen sich bereits in Socialen Netzwerken und dringen so in die Domäne der Jugendlichen ein. Dadurch „verschwinden“ die alten Bezugspersonen, die den Heranwachsenden ihre „Grenzen setzen könnten“. Die meisten FacebooknutzerInnen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt, also in einem Alter, in dem  es sich „auszuprobieren“ gilt.  Der Druck, Sozialen Netzwerken beizutreten, wird immer größer. Waren es früher Markenwaren, so ist es heute die „soziale Anerkennung“ durch Soziale Netzwerke, die sogenannte social currency, die für die Jugendlichen immer wichtiger wird.

Eltern, als auch der Schule kommt die Aufgabe zu, von der jungen Generation zu lernen und ihr vor allem ethische Werte, wie z.B. den Umgang miteinander, auch in öffentlichen Foren, beizubringen. Es sollte auf die Risiken hingewiesen werden, aber auch die Möglichkeit, mit den Neuen Medien kreativ umzugehen.

Das Buch der Gesichter

Jetzt weiß ich, dass Katharina Kopfweh hat, dass Brigitte ihren schwarzen Pullover gewaschen hat und seither Waschmaschinen hasst und dass Bernhard sauer ist, weil er sein Auto vom Schnee freischaufeln musste.Wirklich weltbewegende Themen!

Aber selber schuld. Warum bin ich denn auch in diesem „sozialen Netzwerk“ das sich „das Buch der Gesichter“ nennt? Ich, eine vordigital Geprägte. Nun ja, eigentlich nur, weil mich meine SchülerInnen gefragt haben, warum ich denn noch nicht „drinnen“ sei und ein wenig auch aus Neugierde.

Jene SchülerInnen und ExschülerInnen, die jetzt meine FacebookfreundInnen sind, haben mich geaddet und nicht ich sie.  Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, mit 100, 250 oder 300 Menschen „befreundet“ zu sein. Ist es also nichts anderes als ein „Adressbuch“, wie neulich eine Freundin aus dem real life feststellte? Aber dann jedenfalls eins  mit Bassenacharakter!

Das System erinnert mich auch an die Tupperwarepartys, die ebenfalls mit dem Freundschaftsschmäh arbeiten. Na ja, spannend ist es allemal zu beobachten, wie sich immer mehr Menschen in dieses Netzwerk stürzen ohne sich der Tragweite der Öffentlichkeit  bewusst zu sein. Eine SchülerInnen-Facebookfreundin hat mir jedenfalls schon, ganz still und unbemerkt,  ihre „Freundschaft“ in Facebook gekündigt. Weiß der Teufel warum…? 😉


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