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Die Sprachvermessung

Es fasziniert mich, mit welcher Akribie SprachwissenschaftlerInnen daran arbeiten (Stichwort Standardisierte Reife- und Diplomprüfung SRDP), die Sprachproduktion von LernerInnen in kleinste, messbare Einheiten einzuteilen und sogenannte Kompetenzen zu beschreiben (Deskriptoren des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens), um dann die Sprachproduktionen der SchülerInnen mit einem ausgeklügelten Beurteilungsschema, welches Pädagoginnen derzeit die Haare raufen lässt, zu bewerten und vergleichbar zu machen. Je standardisierter die Aufgabenstellungen, desto objektivierbarer die Bewertung, so sehen es jedenfalls die SprachwissenschaftlerInnen. Aber hält dieses Beurteilungsschema auch, was es verspricht? So manch erfahrene PädagogIn sieht darin eine Mogelpackung, denn Sprache lässt sich nicht gut messen und ihre Bewertung unterliegt immer auch einer gewissen Subjektivität. 

Die LinguistInnen entsprechen mit diesem Kompetenzbeschreibungsmodell nicht nur einem Trend der Zeit, nämlich sich selbst zu vermessen und zu bewerten (ich kann…), sondern sie dienen damit auch ökonomischen Interessen, nämlich die zukünftigen ArbeitnehmerInnen „bewertbarer“ und wettbewerbsfähiger zu machen. Die Wirtschaft will wissen , wo ihre zukünftigen ArbeitnehmerInnen stehen und was genau sie beherrschen. Im sprachlichen Bereich wären dies die Kompetenzniveaus A1 bis C2 nach den Kompetenzbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Je größer also die nachvollziehbaren fremdsprachlichen Kenntnisse der zukünftigen ArbeitnehmerInnen, desto besser die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Kompetenzbeschreibungen beginnen immer mit „Ich kann…“. Unter dem Deckmantel der Eigenverantwortung  hält man also fest, was man schon kann oder eben noch nicht kann und gerät dabei manchmal auch in Stress. Nämlich dann, wenn gewisse Kompetenzen noch nicht erworben wurden. Man kann das Ganze auch sportlich  sehen, indem man die Kompetenzleiter immer weiter nach oben klettert. Wenn nicht, so kann es zu Frustrationen kommen.  Eltern haben somit ebenfalls ein Instrument in der Hand,  um die Kompetenzen ihrer Kinder zu überprüfen (früher hatten diese Funktion noch die Noten, an deren Vergleichbarkeit man allerdings zunehmend zu zweifeln begann).  Das bringt nun auch ein ständiges sich messen und vergleichen mit anderen mit sich: „Ich bin Niveau B1, welches Niveau bist du?“ Das erinnert mich ein wenig an die Levels von Computerspielen. Lehrende werden dabei zu unfreiwilligen VermesserInnen, in einem viel größeren Ausmaß als es bisher der Fall war. 

Die SchülerInnen werden mit der Einführung der Zentralmatura in Österreich in erster Linie darauf gedrillt, den Vorgaben der Testformate und Testmethoden zu entsprechen. „Teaching to the Test“ sozusagen. Kreativität und Freude am Spracherwerb bleiben dabei immer mehr auf der Strecke!  Muss wirklich alles berechnet und an Skalen gemessen werden? Das Schlagwort Individualisierung ist übrigens nicht mehr so oft zu hören.

Im Übrigen bin ich für die Einführung eines Leistungsportfolios als alleiniges Instrument der Leistungsbeurteilung!

ARTIKEL zu Selftracking in der Schule.

ARTIKEL – Liessmann zu Selbstoptimierung

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Portfolioarbeit mit Blogs

Wenn SchülerInnen ihre schulischen Arbeiten z.B. in einem Blog sammeln und sichtbar machen, so kann dies ein ungemeiner Ansporn sein, gute und herzeigbare Leis- tungen zu erbringen. (Siehe dazu zwei Klassen- portfolios einer österreichischen Schule: Classeblogfolio  und Boîte à textes. ) Die Tatsache, dass MitschülerInnen und BesucherInnen aus dem Netz an ihren Beiträgen durch Feedback partizipieren  können, steigert die Motivation und die Wertschätzung ihrer eigenen Arbeit.

Ein frühes Training zur Dokumentation der eigenen Leistung halte ich für eine wirksame, zeitgemäße  und wichtige Methode zur Selbstreflektion und zur Beschäftigung mit der eigenen Lernbiographie. Dies kann insbesondere  für die spätere berufliche Laufbahn von großer Bedeutung sein, wenn man z.B. im Zuge einer Bewerbung ein Leistungsportfolio vorlegen möchte. Die Sensibilisierung zur Portfolioarbeit kann daher nicht früh genug beginnen und Blogs eignen sich meiner Meinung nach besonders gut dafür, zumal sie auch „privat“, also nicht für jenen sichtbar, geführt werden können, oder aber auch der Link nur bestimmten Personen zugänglich gemacht werden kann. . Einen nützlicher Nebeneffekt der digitalen Portfolioarbeit besteht auch in der Beschäftigung mit diversen IKT Skills, sowie der Erwerb von Medienkompetenz.

Interessante Beiträge zum Thema Portfolio findet man im Zum-Wiki, sowie im Wiki Vielfalt-Lernen,

Use of blogs in teaching.
Blogs et enseignement

Einsatz von Klassenlos:

Portfolioarbeit

Ich habe mit meiner Klasse ein Klassenportfolio im Fach Französisch erstellt. Meine SchülerInnen waren abso- lute AnfängerInnen was diese Sprache betrifft. Ich sammelte  die besten Arbeiten der SchülerInnen während der drei Schul- jahre, in welchen sie die Sprache erlernen sollten, und veröffentlichte diese in einem Weblog, das ich Klassenportfolio nannte. Die SchülerInnen wussten zunächst mit einem Weblog nicht viel anzufangen und ließen das Ganze eher mit Widerwillen geschehen.  Am Ende der drei Schuljahre forderte ich ein Feedback von den SchülerInnen ein. Zu meinem großen Erstaunen, waren alle SchülerInnen äußerst positiv zum Klassenportfolio eingestellt. Was ich erst am Ende der drei Schuljahre erfuhr: Sie hatten sich  jedesmal gefreut, wenn ich einen Text als „veröffent- lichungswürdig“ erachtete. Dies spornte sie zu guten Leistungen an.  Dadurch, dass ihre Arbeiten während des Schuljahres im Blog gesammelt wurden, hatten die SchülerInnen auch einen guten Überblick über ihre Arbeit und ihre Lernforschritte. Durch das Veröffentlichen, d. h. Sichtbarmachen ihrer Arbeit, bekamen die SchülerInnen ein enormes Selbstbewusstsein und hatten das Gefühl, etwas gelernt zu haben. Dieses „ich kann etwas“, erfüllte sie mit Zufriedenheit, die ich so zuvor bei SchülerInnen noch nicht gekannt hatte. Sie waren stolz auf ihre Arbeiten, die auch alle anderen MitschülerInnen lesen konnten und hatten absolut das Gefühl, viel gelernt zu haben.  Dass es Zugriffe aus der ganzen Welt gab, erhöhte ihre Motivation und Leistungsbereitschaft noch. Es schuf auch eine Art Gemeinschaftsgefühl, denn jede/r SchülerIn war mit mindestens einem Text im Blog vertreten. Sie wünschten sich sogar, dass solche Portfolioarbeit in allen Unterrichtsfächern gemacht werden sollte.  ClasseBlogFolio

Update 17. Mai 2014 -> Lernportfolios entwickeln: http://www.duz.de/duz-magazin/2014/04/den-blick-aufs-lernen-richten/239


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